Test: Jomox Moonwind

Beat 708.2012 - von Henning Schonvogel

Moonwind

Bewertung:
gut (5.0)
Preis: 699 Euro
Webseite:
Hersteller: Jomox
Alternative: Koma Elektronik FT-201 Analog Filter 349 Euro, Niio Analog Iotine Core 1450 Euro, Sherman Rodec Restyler 579 Euro
hochwertige Verarbeitung
dedizierte Bedienelemente für Basis-Parameter
sehr flexible Filter
weitreichende Modulationsmöglichkeiten
gut klingender Effektblock
per MIDI steuerbar
Feedback für harte Klangveränderungen
tief greifende Bearbeitung nicht intuitiv
Eckdaten:
• zweikanaliges Multimode-Filter
• Tief-, Hoch-, Bandpass- & Notchmodi
• getrennte Resonanz- und Q-Parameter
• Hi-Z-Eingänge
• Link-Funktion
• zwei LFOs
• Sequenzer mit sechs Spuren
• und 64 Schritten
• Envelope-Follower
• integrierter Multieffekt
• Noise-Generator

 

Die Auswahl an flexiblen Stereofiltern ist nach wie vor beschränkt. Zwar gibt es ein paar durchaus brauchbare Modelle, darunter zum Beispiel der Sherman Rodec Restyler oder Niio’s Iotine Core, diese sind allerdings meist auf einen ganz bestimmten Anwendungszweck optimiert. Einen echten Allrounder suchte man bisher vergeblich. – Vorhang auf für den Jomox Moonwind. Dank seiner zweikanaligen Auslegung und guter Routingoptionen soll er sich sowohl zur Bearbeitung von Summensignalen als auch für komplexe Klangverbiegungen in mono eignen. Zusatzfeatures wie der integrierte Effektprozessor, diverse Modulatoren und MIDI-Funktionen erhöhen den Nutzwert weiter. – Soviel zur Theorie. Wie aber schlägt sich das Gerät in der Praxus? Kann es gleichsam im Produktionsalltag und auf der Bühne überzeugen?

 

Klein und stark

Bereits der erste Kontakt mit dem Moonwind macht klar, dass Jomox beim Aufbau keine Kompromisse eingegangen ist. Das Gehäuse besteht komplett aus Metall, Potis und Endlosencoder hinterlassen einen sehr soliden Eindruck. Die Taster sind in die Oberfläche eingelassen, das schmale aber relativ breite Display zeigt eine ganze Reihe Parameter gleichzeitig an. Zur weiteren Veranschaulichung von Werten und gerade aktiver Baugruppen gibt es zusätzliche LEDs, Doppelbelegungen erklären sich durch die kleine aber gut ablesbare Beschriftung quasi von selbst.

Die Audioanschlüsse umfassen zwei Ein- und Ausgänge im Studioklinkenformat. Empfindlichkeit und Verstärkung erlauben nicht nur den Betrieb mit Line-Pegeln, auch hochohmige Signalquellen lassen sich ganz ohne weitere Technik nutzen. Mithilfe zweier Aux-Eingänge kann zusätzliches Material zugespielt werden. Diesem stehen allerdings nur ein paar der internen Bearbeitungsstufen zur Verfügung. Per MIDI-Trio ist eine externe Steuerung möglich. Besonders hervorzuheben ist hier die „Spielbarkeit“ der Cutoff-Frequenzen mittels MIDI-Noten. Bei hohen Resonanzwerten lässt sich das Gerät so auch als Klangerzeuger nutzen, wer allerdings ein korrektes Tonhöhenverhalten erwartet, wird schnell enttäuscht sein.

 

Was steckt drin?

Die Filter des Moonwind grenzt sich gekonnt von Mitbewerbern ab. Als Bearbeitungs-Modi stehen Tief-, Hoch- und Bandpass sowie eine Kerbvariante bereit. Via Link-Taster können beide Instanzen gekoppelt werden, sodass sich Stereo-Filtersweeps mit nur einem Regler bewerkstelligen lassen. Das wirkliche Highlight sind allerdings die Q-Potis, welche die Güte separat einstellbar machen. Im Ergebnis kann der Klangcharakter damit von wohliger Breite bis hin zu schneidender Schmalbandigkeit frei gewählt werden, kein anderes Stereofilter ist derart flexibel. Für Bewegung sorgen zwei LFOs mit neun Wellenformen, darunter eine ganze Reihe an Rechteckwellen, die verschiedene Pulsweiten aufweisen. Zusätzlich ist ein Envelope-Follower an Bord, der positive und negative Wertveränderungen der Filterfrequenz bewirken kann. Nicht zuletzt findet sich auch ein Sequenzer mit maximal 64 Schritten. Er besitzt sechs Spuren, die Cutoff, Resonanz und Güte beider Filter zugewiesen sind. Die Programmierung kann schrittweise erfolgen, alternativ lassen sich Reglerbewegungen einfach aufzeichnen.
 

Multitalent

Der Multieffekt bietet 15 feste Programme, neben Standards wie Hall, Echo oder Modulationsalgorithmen sind auch Exoten wie ein Pitchshifter oder der Formant-Voxer integriert. Die Klangqualität ist durchweg hochwertig. Weil der Effektblock vor den Filtern sitzt, sind auch über die eigentlichen Parameter hinausgehende Einschnitte kein Problem. Ein Feedback-Weg erhöht den Funktionsumfang abermals, vor Extremeinstellungen sollte man sich zugunsten eines gesunden Gehörs allerdings bei vielen der Algorithmen hüten. Mittels globalem Dry-Wet-Regler lassen sich Original- und Moonwind-Signal mischen, Filter und Effekt können zudem einzeln zu- und abgeschaltet werden. Auch die serielle Koppelung beider Filter ist möglich, um komplexere Mono-Filterstufen zu kreieren. Bei solch tiefen Eingriffen wird die Bedienung leider zunehmend hakelig, vor allem ein direkt zugänglicher Bypass-Taster für die Effekte wäre schön gewesen.

 

Fazit

Der Moonwind ist eine exzellent klingende Kombination aus Analogfiltern, Effektblock und Modulatoren, deren Performance sowohl bei Studio- als auch Live-Anwendungen voll überzeugen kann. Leider sind aber nur die Basis-Parameter wirklich intuitiv zu bedienen, möchte man tief greifende Änderungen vornehmen, braucht man schon einige Minuten zur Editierung. Im Live-Betrieb beziehungsweise bei Jamsessions kann diese „Besonderheit“ schon recht störend sein. Am Ende steht aber in jedem Fall ein erstklassiger Sound.

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